Wo kommt denn unser Strom her?
Dieser Frage gingen am letzten Donnerstag im Juli, 17 Mitglieder der Heinlochrunde nach. Wie gewohnt ging es, bei schweißtreibendem Wetter, mit Bus und Bahn zur Kraftwerksbesichtigung der EnBW nach Forbach ins Murgtal. Nach der 2-stündigen Anreise, mit vielen interessanten Gespräche in kleinen Gruppen, ging es vom Bahnhof Forbach auf die kurze „Wanderung“ zum „Rudolf – Fettweis Lauf und Speicherkraftwerk“. Unterwegs war schon sehr deutlich erkennbar, dass die Murg so gut wie kein Wasser mehr mit sich führte. Zu Beginn der 2½-stündigen Führung gab Herr Erich Wunsch, Teamleiter Mechanik der EnBW sehr viele Informationen zur derzeit bestehenden Kraftwerksanlage.
Aktuell sind es 4 Einzelkraftwerke die etwa 105 Millionen Kilowattstunden produzieren. Herzstück der gesamten Anlage ist die Schwarzenbach Talsperre, ein gerne besuchter Stausee. Über Stollen und eine Druckleitung gelangt das Wasser in das 357 Meter tiefer gelegene RFW und wird dort zur Stromerzeugung eingesetzt. Zu Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten wurde der 100 Jahre alte Stausee der Schwarzenbach Talsperre bisher viermal vollständig entleert: 1935, 1952,1997 und aktuell. Ein Vorgang, der von Öffnung des Grundablasses bis zur vollständigen Entleerung zweieinhalb Monate dauert. Ab September 2026 soll mit der planmäßigen Befüllung des Stausees wieder begonnen werden.
Sehr interessant waren auch zu erfahren, dass Kraftwerke, die in einem Fluss errichtet werden, die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) einhalten müssen. Diese gibt vor, welche Menge an Wasser in jedem Fall im Fluss vorhanden sein muss und nicht zur Stromerzeugung genutzt werden darf. Weiterhin muss auch die Durchgängigkeit für Fische gewährleistet werden. Am Niederdruckwerk in Forbach wird schon immer die dem natürlichen Abfluss der Murg entsprechende Wassermenge abgegeben. Um die notwendige Durchgängigkeit für Fische sowohl flussaufwärts als auch -abwärts sicherzustellen, hat die EnBW in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Unternehmen „Baumann Hydrotec” ein einzigartiges Projekt entwickelt: einen sogenannten Hydro-Fischlift. Damit können die Fische in der Murg platzsparend und ohne große Eingriffe in die denkmalgeschützten Bestandsbauwerke wandern.
Aufgrund von Wassermangel wurde am Tag des Besuches der Heinlochrunde auch die letzte von 5 Turbinen abgeschaltet. Somit produziert das alte Kraftwerk keinen Strom mehr.
Viele Informationen gab Herr Wunsch auch zum 280 Millionen teureren, derzeit im Bau befindlichen neuen Kavernenkraftwerk.
Mit den topografischen Begebenheiten des Traditionskraftwerks und der großen Zustimmung der Menschen vor Ort bietet Forbach ideale Rahmenbedingungen, um den Standort auszubauen. Das Projekt soll in jeder Hinsicht für nachhaltiges Handeln stehen. Von Planung bis Betrieb wird das Projekt von Umweltplanungsbüros und Natursachverständigen begleitet. Realisiert werden ein unterirdischer Kavernenspeicher und ein Kavernenkraftwerk. Die bestehenden, bis zu 100 Jahre alten Maschinen werden außer Betrieb genommen und durch neue effizientere Maschinen ersetzt. Durch den neuen Kavernenspeicher erhöht sich das Speichervolumen des Kraftwerks um 200.000 Kubikmeter – das bestehende Ausgleichsbecken hat ein Nutzvolumen von 204.000 Kubikmetern. Die neue Unterstufe aus Kavernenspeicher und Ausgleichsbecken wird damit über eine Speicherkapazität verfügen, die 7 Stunden Turbinenbetrieb am Stück ermöglicht. Das altehrwürdige Kraftwerkshaus von Murg- und Schwarzenbachwerk kann als denkmalgeschützter Baubestand und aus wirtschaftlichen Gründen allerdings nicht in das neue Konzept integriert werden.
Die Besichtigung wurde dann mit einem Rundgang durch das jetzt „stille Kraftwerksgebäude“ beendet. Was mit diesem Gebäude und den dortigen Maschinen passiert, ist noch nicht entschieden. Vermutlich ein Museum.
Vor der Heimfahrt wurde noch ein Zwischenstopp im urigen Gasthaus „Adler“ in Forbach eingelegt.

Die Heinlochrundler bestaunen die 100 Jahre alten Maschinen zur Stromerzeugung.

Blick vom Kraftwerksgebäude hinauf in Richtung Schwarzenbachtalsperre.